
Bildschirm als Fotograf:in kalibrieren – muss man das machen?
Als Fotograf:in ist es wichtig, dass das, was du am Bildschirm siehst, auch wirklich deinen Bildern entspricht. Besonders, wenn du Bilder für Kund:innen machst, aber auch für Social Media oder wenn du deine eigenen Bilder für dich ausdrucken möchtest, spielt es eine Rolle. Die Bildschirmkalibrierung wird vor allem am Anfang oft übersehen, unterschätzt oder auch einfach als zu aufwändig angesehen, wobei letzteres nicht stimmt, wenn man sich einmal damit auseinandergesetzt hat. In diesem Artikel erkläre ich dir, warum das so wichtig, welche Optionen es dafür gibt, damit du das Thema angehen und von deiner To Do Liste abhaken kannst.
Warum Bildschirmkalibrierung für Fotograf:innen wichtig ist
Die meisten Monitore kommen von Haus aus mit ihren ganz eigenen Farbeinstellungen. Wenn diese nicht gezielt für farbechtes Arbeiten hergestellt werden, dann können deren Farbeinstellungen schonmal sehr stark von der “Realität” abweichen. Es gibt definierte Standards für die Kalibrierung, die so abgestimmt sind, dass es Werte gibt, die als “farbecht” gelten. Ohne Kalibrierung bearbeitest du Bilder also quasi auf Basis falscher Farbinformationen. Du siehst die Farben vielleicht genau so, wie du sie haben möchtest, aber sobald das Bild gedruckt wird oder es auf einem kalibrierten Bildschirm zu sehen ist, sieht alles ganz anders aus. Andersrum werden deine auf einem farbechten kalibrierten Monitor bearbeiteten Bilder auf nicht kalibrierten Bildschirmen wie Handys auch wieder anders aussehen. Du kannst es also nie allen recht machen und wenn jemand deinen Instapost kommentiert, dass er oder sie das Grün so toll findet, kannst du nie wirklich wissen, ob ihr überhaupt das Gleiche Grün seht.
Ich weiß, das ist irgendwie ziemlich mies, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit wir uns machen, die Bilder so zu bearbeiten, wie wir sie haben möchten. Aber dennoch ist es wichtig, dass wir trotzdem mit kalibrierten Bildschirmen arbeiten, damit wir wissen, dass UNSERE Version, genau so ist, wie wir sie haben wollen. Am allerwichtigsten ist es entsprechend dann beim Bilddruck. Da muss man zwar noch die ICC-Profile mit bedenken (ganz kurz: Jeder Drucker arbeitet anders und hat eine andere Farbwiedergabe. Mit ICC-Profilen des jeweiligen Druckers oder Druckverfahrens kann man diese Abweichungen auf dem Bildschirm simulieren und Anpassungen vornehmen, damit das Bild trotz Druck über diesen Drucker am Ende so aussieht, wie deine Version von deinem kalibrierten Bildschirm), aber im Grunde geht es darum, dass DU von DEINER Seite aus sicherstellen kannst, dass deine Farben an sich genau so gespeichert sind, wie du sie haben möchtest.
Für professionelle Fotograf:innen oder alle, die Bilder für andere machen, ist das also eigentlich ein Muss!
Was genau wird beim Kalibrieren gemacht?
Beim Kalibrieren werden die Farbeinstellungen deines Monitors, also Farbtemperatur, Helligkeit, Kontrast und Gammawerte (Schwarz zu Weiß Darstellung), so optimiert, dass sie einem definierten Standard entsprechen. Ein korrekt kalibrierter Bildschirm zeigt Farben also quasi “neutral und reproduzierbar” an, was für die präzise Bildbearbeitung einfach wichtig ist.
Aus den Messwerten wird dann ein eigenes ICC-Profil für deinen Bildschirm in deinem Farbmanagement auf deinem PC abgespeichert, welches deinem System sagt, wie es Farben und auch Helligkeiten korrekt darstellen soll. Du veränderst also nicht deinen Bildschirm, du legst (einmal ganz vereinfacht zum Verständnis und technisch nicht korrekt) nur sowas wie einen Filter drüber, welcher die Farben korrekt erscheinen lässt. Es wird alles so “umgerechnet”, dass die richtigen Daten dann auch in deinen Bildern gespeichert sind. (Technisch wie gesagt nicht ganz korrekt, aber zum Verständnis für Anfänger:innen vereinfacht; in der Fachwelt unterscheidet man zwischen Kalibrierung (Einstellung) und Profilierung (Erstellung eines ICC-Profils), aber ich bin nicht so der Technik-Nerd und ich weiß, die meisten von euch auch nicht. Falls doch, auf zu Google.)
Optionen zur Bildschirmkalibrierung
1. Software-basierte Kalibrierung (kostenlos)
Es gibt Programme, die dich durch verschiedene Einstellungsschritte von Helligkeit, Weißabgleich, etc. führen. Dort musst du dann anhand deiner eigenen Wahrnehmung, also das, was du mit deinen eigenen Augen siehst, entscheiden, was die “richtige” Einstellung ist. Wenn dein Bildschirm komplett verkehrte Farben hat, kann das durchaus eine Korrektur bringen und wenn du nur Fotos für dich selbst machst, reicht das vermutlich auch. Super ist, dass es kostenlos ist und du dir keine zusätzliche Hardware anschaffen musst. Aber die Ergebnisse sind halt eher so Pi-mal-Auge und jede Person hat eine unterschiedliche Wahrnehmung, was dazu führt, dass das Ergebnis dadurch verfälscht wird. Du wirst damit also nie ein genaues Ergebnis bekommen und deswegen ist es für Fotograf:innen, die Fotos für andere Personen machen, nicht zu empfehlen.
2. Hardware-Kalibrierung mit Colorimeter / Spektralfotometer
Das ist die professionellste Methode. Du hängst ein Messgerät wie den Datacolor Spyder normal oder pro (habe ich zum Beispiel) oder einen Calibrite ColorChecker Plus HL oder Pro HL an deinen Monitor. Die dazugehörige Software macht eine Messung der aktuellen Werte und erstellt dann ein präzises Farbprofil, welches die Einstellungen so anpasst, dass das, was du siehst, von da an wirklich die kalibrierten Farben des definierten Standards sind. Dadurch bekommst du eine sehr genaue Farbdarstellung, hältst deine Bilder und Farben konstant gleich und du kannst diese Tools immer wieder benutzten.
Denn das muss man leider, da Bildschirme sich mit der Zeit verändern. Vielleicht hast du einen alten Bildschirm, welcher alles schon komplett gelb oder auch lila eingefärbt darstellt. Das liegt daran, dass die Leuchtmittel in den ganzen kleinen Lämpchen, die deinen Bildschirm ausmachen, mit der Zeit altern. Dadurch verändern sich sowohl Farbe und Helligkeit. Wenn du deinen Bildschirm jetzt kalibrierst, erneuerst du nicht die Lämpchen und machst sie wieder frisch, sondern du legst quasi einen Filter drüber, welcher diese Abweichungen wieder ausgleicht. Deswegen würdest du die Hardware nicht für einmal kaufen, sondern du nutzt sie über die nächsten Jahre hinweg immer wieder. Im besten Fall mindestens 2-3 Mal im Jahr.
Wie du deinen Monitor kalibrierst
Dazu findest du auf YouTube so viele Anleitungen für das entsprechende Gerät, dass es einfach keinen Sinn macht, dass ich auch noch eins mache. Als erstes solltest du dir überlegen, welches Gerät du dir kaufen möchtest. Auch dazu gibt es Vergleichsvideos oder auch Blogartikel sowie ChatGPT, die dir dabei helfen können. Ich habe den SpyderX Pro von Datacolor und der funktioniert einwandfrei. Allerdings finde ich es wichtig, dass jede:r sich hier einmal eigenverantwortlich informiert, was es inzwischen auf dem Markt gibt und was für dich am besten funktioniert. Meinen habe ich nämlich vor einigen Jahren gekauft und ich habe keine Vergleiche mit anderen Geräten. Ein Vergleichsportal für sämtliche nützliche Technik, kann ich leider nicht bieten. Nimm dir einfach mal 1-2 Stunden, um dich zu informieren und dann hast du es für die nächsten 10 Jahre mindestens abgehakt.
Fazit
Das bringt dir also deine Kalibrierung:
Genaue Farbdarstellung: Du siehst, welche Farben du bearbeitest und weißt, dass die Farben, die du da siehst, genau die Farben sind, die dein Bild auch darstellt. So gibt es keine Überraschungen mehr beim Druck. Trotz allem, werden auf anderen Geräten die Bilder noch anders dargestellt.
Schnellerer Workflow: Du fängst nicht an zu zweifeln, nachdem du dein Foto auf dem Handy gesehen hast, weil du weißt, es ist korrekt bearbeitet, nur dein Handy stellt es anders da. So musst du nicht ständig wieder in die Bearbeitung gehen und Dinge anpassen, in der Hoffnung, dass es auf allen Bildschirmen gleich aussieht. Das wird es nicht.
Professionelle Arbeitsweise: Deine Bilder sehen beim Druck und mit größter Wahrscheinlichkeit auf guten Bildschirmen deiner Kund:innen so aus, wie du sie vorgesehen hast.
Die Kalibrierung lohnt sich also an sich sowohl für Hobby- als auch Profi-Fotograf:innen. Die eine kleine Investition in die Messgeräte zahlt sich durch die regelmäßige Nutzung ab. Und durch den geringeren Frust sowieso. 😉
Fazit
Ich hoffe, das hat etwas Licht ins Dunkel gebracht und du kannst in Zukunft farbecht deine Bilder bearbeiten!
Deine Sabrina
Wen ndu jetzt noch lernen möchtest, wie du deine Bilder auf deinem frisch kalibrierten Bildschirm richtig in PHotoshop bearbeitest, zeige ich dir das gerne!
Ich zeige dir Schritt für Schritt im Detail, wie ich es mache! Inzwischen kannst du zwischen 4 Bearbeitungsworkflows auswählen, damit du genau das lernen kannst, was du brauchst.
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